Die Entwicklung der Rockmusik von 1964 - 1973

 

Die Beat-Ära und die "British Invasion" (ab 1964) Die Entwicklung der modernen Rockmusik nahm in der ersten Hälfte der 1960er Jahre in Großbritannien (vorwiegend in London und Liverpool) ihren Anfang, wo sich Schülerbands formierten und den amerikanischen Rock 'n' Roll sowie den britischen Skiffle zur sogenannten Beatmusik weiterentwickelten. 1964 markierte mit den Auftritten der Beatles im US-Fernsehen den Beginn der "British Invasion", bei der britische Bands den amerikanischen Markt eroberten. In dieser Phase kam es zu einer ersten großen Stilaufspaltung: Auf der einen Seite standen die melodischen, oft in Anzügen auftretenden Beatles, auf der anderen Seite die raueren, stark vom Blues beeinflussten Rolling Stones.

Ab 1964/65 flossen zunehmend härtere Elemente in den Beat ein, wofür Songs wie You Really Got Me von The Kinks oder My Generation von The Who beispielhaft stehen. Die Bands wurden experimentierfreudiger, und Einflüsse aus Folk und Blues prägten den Sound.

Der Übergang zur Rockmusik und das Konzeptalbum (Mitte der 1960er) Mitte der 60er Jahre hielten technisch anspruchsvollere Themen Einzug in die Musik. Die elektrische Gitarre verdrängte das Saxophon endgültig als Lead-Instrument. Virtuosen wie Jimi Hendrix und Bands wie Cream etablierten ausgedehnte Improvisationen und setzten neue Maßstäbe für die Lautstärke und physische Präsenz des Sounds.

Eine entscheidende Neuerung war die Emanzipation der Langspielplatte (LP) von der Single. Mit Alben wie Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Beatles oder Pet Sounds der Beach Boys entstanden sogenannte Konzeptalben. Die Alben wurden vom Coverdesign bis zur musikalischen Dramaturgie als komplexes Gesamtwerk verstanden, das auch intensiv die Möglichkeiten der Studiotechnik (z.B. Tierstimmen und Alltagsgeräusche) auslotete.

Die goldene Ära des Psychedelic Rock (ca. 1965–1969) Gegen 1967 entwickelte sich die Beatmusik endgültig zum Psychedelic Rock weiter, der zum bestimmenden Sound einer ganzen Generation wurde. Diese Bewegung war untrennbar mit der Hippie-Gegenkultur und der Bewusstseinserweiterung durch Drogen wie LSD verbunden. Die Musik spiegelte das Streben nach Frieden, freier Liebe und dem Protest gegen den Vietnamkrieg wider. Epizentren waren das Haight-Ashbury-Viertel in San Francisco (mit Bands wie Grateful Dead und Jefferson Airplane) und der Londoner Underground (Pink Floyd).

Musikalisch brach der Psychedelic Rock mit den Traditionen des einfachen Rock 'n' Roll:

Die Konzerte selbst wurden zu multimedialen Happenings mit aufwendigen Liquid-Light-Shows, die den Rausch visuell untermalten. Ihren kommerziellen und kulturellen Zenit erreichte die Bewegung 1967 im "Summer of Love" und auf legendären Festivals wie dem Monterey Pop Festival (1967) und Woodstock (1969).

Der Wandel und die Rockmusik der frühen 1970er Jahre (bis 1973) Ende der 1960er Jahre begann die psychedelische Bewegung zu zerfallen. Die Kommerzialisierung des Genres durch die Musikindustrie, der Verlust der ursprünglichen Hippie-Ideale und die desaströsen Auswirkungen des Drogenkonsums – die zu den frühen Toden von Ikonen wie Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison führten – leiteten das Ende dieser Ära ein. In dieser Zeit verschwand auch der Begriff "Beat" fast vollständig aus dem Sprachgebrauch und wurde durch "Rock" abgelöst.

Aus den Trümmern der psychedelischen Ära kristallisierten sich bis 1973 neue, prägende Subgenres der Rockmusik heraus:

Bis in die frühen 1970er Jahre etablierte sich die Rockmusik endgültig als gigantisches Massenphänomen. Es entstand der "Stadionrock" – riesige Tourneen mit ausgefeilten Lightshows, Bergen von Verstärkern und gewaltigen Publikumszahlen füllten Stadien weltweit. Die einstige Rebellion der Beat- und Hippie-Jahre war nun zu einer hochprofessionellen und stilistisch extrem ausdifferenzierten Musikindustrie herangewachsen.